BNN 09.07.2021

Waldseebad wird erst zur Badesaison 2022 freigegeben / Wetterkapriolen verzögern Arbeiten

Von BNN Redaktionsmitglied
Thomas Dorscheid

BNN09072021
Das sieht nicht nach Liegewiese aus: Die Niederschläge der vergangenen Wochen haben den Zeitplan für das Waldseebad weggespült. Stehen im Regen: OB Christof Florus (links) und Bürgermeister Michael Pfeiffer. Fotos: Slobodan Mandic

Gaggenau. Der Himmel weinte viele Tränen, als am Donnerstag auf der Baustelle Waldseebad die Rathausspitze die unerfreuliche Nachricht bekanntgab: Der Eröffnungstermin 29. Juli für das kombinierte Technik- und Naturbad lässt sich nicht halten. Die heftigen Regenfälle der letzten drei Wochen haben die Pläne, pünktlich zum Start der Sommerferien die neue Anlage zu öffnen, weggespült.

„Wir kriegen keinen Grashalm in die Erde rein.“

Michael Pfeiffer
Bürgermeister in Gaggenau

Das neue Waldseebad wird somit erst zur Freibadsaison 2022 den Besuchern zur Verfügung stehen. Am 29. Juli wird es statt der geplanten feierlichen Eröffnung für Bürger die Möglichkeit zu einer Besichtigung geben. „Die Wasserqualität wäre vorhanden, aber die Umgebung ist nicht begehbar“, sagte Oberbürgermeister Christof Florus am Donnerstag im Pressegespräch. Sprich die Liegewiese wäre definitiv Ende Juli noch nicht nutzbar.

Mehrere Starkregenfälle haben viele Arbeiten im landschaftlichen Bereich zum Stoppen gebracht. Dabei wären aber trockene Phasen notwendig gewesen, um den Boden für den Rollrasen oder auch für die Einsaaten vorzubereiten. Dabei standen die Zeichen vor drei Wochen noch gut, dass es mit der Eröffnung klappen würde. Bei einem Rundgang des Gemeinderates hieß es noch Mitte Juni, dass das Bad zum angestrebten Termin zur Verfügung stehen würde, „ebenso 80 Prozent der Liegeflächen“. Letzteres hat sich inzwischen definitiv zerschlagen, obwohl auf der Baustelle bis zuletzt mit Hochdruck gearbeitet wurde, teilweise auch an Samstagen.

„Gegen die Natur hast Du keine Chance“, sagte der OB am Donnerstag. Weder wolle er ein unfertiges Bad an die Bevölkerung übergeben, nachdem die Stadt rund 14 Millionen Euro investiert hat. Noch wolle er ein Bad nur für zwei Wochen öffnen, dann lieber im neuen Jahr „mit einem herausragenden Bad an den Start gehen“. Sowohl Florus als auch Bürgermeister Michael Pfeiffer könnten es gut verstehen, so sagten sie übereinstimmend, wenn die Bürger nun enttäuscht seien. Sogar der Springbrunnen sei betriebsbereit, verwies Pfeiffer auf die technische Funktionalität, „aber wir kriegen keinen Grashalm in die Erde rein“. Selbst wenn man hätte einsäen können, „wäre alles einfach weggeschwemmt worden.“ Schon die notwendigen Fräsarbeiten habe man nicht ausführen können.

Seit Oktober 2020 konnte laut Stadtverwaltung aus Witterungsgründen keine Woche durchgearbeitet werden. In Summe seien es 12,5 Wochen, in denen aufgrund des Wetters die Baustelle ruhen musste. In den vergangenen zwei Wochen seien die Landschaftsgärtner zum Stillstand verdammt gewesen: Zwar konnte Erde abgetragen und das Gelände weiter modelliert werden, aber an Rasensäen war nicht zu denken. Auf allein 2.000 Quadratmetern sollte eigentlich Rollrasen verlegt werden, dafür müsste aber der Boden entsprechend aufbereitet werden – und er müsste trocken sein. „Es blieb uns keine andere Möglichkeit“, so Bürgermeister Pfeiffer. Hätte man das Bad später, etwa Mitte August nur für zwei Wochen öffnen wollen, „wären uns erhebliche Kosten entstanden“.

Auch Badplaner Hardy Gutmann stimmte in den Reigen des Bedauerns ein: „Uns blutet allen das Herz. Vor drei Wochen waren wir noch optimistisch. Die Firmen haben alle sehr gut mitgearbeitet. Aber Petrus hatte kein Einsehen.“ Die Baumaschinen drohten im aufgeweichten Gelände abzusinken und die Arbeiter stünden bis zur Wade im Matsch - das habe er an seinen Baustellen in dieser Form noch nie erlebt.

Hinzu kamen im Übrigen noch weitere Hiobsbotschaften: Die Lieferung von Elektroverteilern hat sich verzögert. Die werden aber dringend benötigt, damit auf dem gesamten Gelände für Strom und in dessen Folge beispielsweise auch für ein Netz gesorgt ist. Der gesamte Eingangsbereich samt Kassenautomat ist laut Stadtverwaltung noch ohne Strom – wann die Verteiler kommen, sei unklar. Zudem wären drei Saisonkräfte für das Bad ausgefallen, die kurzfristig aus verschiedensten Gründen abgesagt haben. Durch Zeitarbeitskräfte hätte dieses Problem allerdings gelöst werden können, so die Stadtverwaltung.

Letztlich haben aber die Dauerregenfälle den Zeitplan Makulatur werden lassen. Mit einem Extremwetter begann im Übrigen auch das jüngste Kapitel Waldseebad: Im Juni 2016 war nach einem Starkregen das Waldseebad von Schlamm überzogen - und machte den Weg frei für eine vorgezogene Sanierung beziehungsweise Neuplanung der Anlage.

Hintergrund

Ein kleines Trostpflaster gibt es laut Mitteilung der Stadtverwaltung dann doch: „Wir sparen einige zehntausend Euro ein, indem wir die Baustelle nun nicht abräumen und im Herbst für die Restarbeiten wieder herrichten müssten“. Denn die Arbeiten können nunmehr bis zur Fertigstellung des Bades ohne Unterbrechung fortgeführt werden.

Statt der Eröffnung am Donnerstag, 29. Juli, gibt es nunmehr eine Führung durch das Waldseebad: Wer einen Blick auf die Baustelle und hinter die Kulisse werfen mag, kann sich ab sofort für eine Führung am 29. Juli um 17 Uhr anmelden: Unter Telefon (07225) 962530. Die Teilnehmerzahl ist auf 30 Personen begrenzt. Bei großem Interesse werden weitere Führungen angeboten, sichert die Stadtverwaltung zu. Sobald gegen Ende August das neue Waldseebad fertig ist, soll es der Öffentlichkeit vorgestellt werden. dor

Kommentar

Eng gestrickt

Thomas Dorscheid

Das Wetter passte zur schlechten Nachricht, die OB Christof Florus und Bürgermeister Michael Pfeiffer vor Ort verkündeten: Das Waldseebad wird zur Freibadsaison 2021 nicht öffnen. „Es tut weh“, meinte Florus. Zu seinen Worten öffnete der Himmel seine Schleusen. Wie so oft in letzter Zeit.

Dabei war der Zeitplan ohnehin eng gestrickt. Mit dem zuletzt angekündigten Eröffnungstermin 29. Juli wäre weniger als eine halbe Freibadsaison möglich gewesen, doch auch die ist jetzt Makulatur. Bauarbeiter, die bis zur Wade im Schlamm stecken, können die notwendigen Arbeiten nicht ausführen. Auch der Rasen konnte nicht eingesät werden. Ohne Rasen gibt es aber keine Liegefläche und ohne Liegefläche kein Freibad.

Zuletzt hatten alle Beteiligten mächtig Gas gegeben, um das ohnehin ambitionierte (zu ambitionierte?) Zieldatum zu halten. Das gilt für die Planer in den Büros und die Arbeiter vor Ort gleichermaßen. Die erneute Regenperiode machte letztlich einen Strich durch jede Rechnung.

Muss man sich daran gewöhnen müssen, dass bei Großprojekten die Zeitpläne über den Haufen geworfen werden? Man muss nicht immer nach Berlin und auf den neuen Hauptstadtflughafen blicken, es gibt auch in der Region Beispiele. Da wäre etwa die Nachrüstung des Gernsbacher Tunnels zu nennen oder die Vorarbeiten zu eWayBW auf der B462. Ist der Zeitplan – meist aus politischen Vorgaben – sehr eng getaktet, führt jede Unterbrechung zu einer umfassenden Neubewertung.

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