BT 28.11.2016

Bäderfrage: Bei der Bürgerinformation in der Jahnhalle präsentiert die Stadtverwaltung ihre Lösungsansätze

Von Thomas Senger

Gaggenau - Frühestens 2019 wird das Waldseebad wieder eröffnen werden können - ob dies überhaupt je wieder der Fall sein wird und in welcher Form, all das ist noch nicht entschieden. In der Jahnhalle präsentierte am Samstagvormittag die Stadtverwaltung den Sachstand in der Bäderfrage. Das sanierungsbedürftige Hallenbad und das nach der Überflutung geschlossene Waldseebad stehen im Kern der Überlegungen. Kombibad Hallenbad/Freibad, Kombination Naturbad/Chlorbad - viele ist denkbar. Bis Mai 2017 solle der Gemeinderat möglichst eine Entscheidung getroffen haben, gab OB Christof Florus vor.

Blauäugigkeit wie bei der Planung und während der Bauarbeiten des Naturbads Waldseebad soll es offenkundig nicht geben. Bürgermeister Michael Pfeiffer betonte, dass die grundsätzlich getroffenen Entscheidungen der Deutschen Gesellschaft für das Bäderwesen (DGfB) zur Überprüfung vorgelegt werden sollen - nicht nur mit Blick auf die Entstehungskosten, sondern auch mit Blick auf laufenden Kosten. "Denn wenn Sie die Kosten für ein Bad über 20, 25 oder 30 Jahre rechnen, dann können Sie sicher sein, dass ein Mehrfaches der Entstehungskosten zusammenkommt", sagte Pfeiffer.

Als eine Berechnungsgrundlage fürs Waldseebad gilt die jüngste Besucherzahl von 45000 pro Jahr. Das alte Waldseebad - vor dem Umbau zum Naturbad - hatte noch viel mehr Besucher. Pfeiffer: "Wir werden auf jeden Fall auch mit einer Größenordnung von 90000 Besuchern rechnen", die einst erreicht worden waren.

Neun Monate bis zu einem Jahr werde man für Planungen und Genehmigungsverfahren rechnen müssen, führte Pfeiffer weiter aus. Hinzu komme ein weiteres Jahr Bauzeit. Früher als 2019 sei eine Freibaderöffnung unrealistisch. "Das kann aber durchaus anders werden, wenn uns was dazwischen kommt, wenn uns irgendeine Behörde Auflagen macht", mahnte Pfeiffer und verwies zum Beispiel auf notwendige Bauvorhaben für den Hochwasserschutz. Ein Gutachten sei für das Waldseebad-Gelände bereits in Auftrag gegeben worden. Ein "großes Fragezeichen" stehe hinter den Terminplanungen: "Ernsthaft zu sagen, wir schaffen das auf 2019, das wäre vermessen."

OB Christof Florus ergänzte: 2019 sei realistisch, aber anspruchsvoll, "wir wollen keine Versprechungen machen".

"Was würde eine Reparatur des Waldseebads kosten? Wie wäre der Zeitplan?" wollte Sabine Arnold wissen, die Vorsitzende des Freundeskreises Waldseebad. Denn ein Bad, das fünf Jahre geschlossen sein werde, sei aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwunden.

Kostenschätzungen habe man zwar, entgegnete Pfeiffer, aber er wolle noch keine genauen Zahlen in den Raum stellen. Zunächst müsse die DGfB die Überlegungen der Planer prüfen: "Lassen Sie uns so lange noch Zeit." Die Lösung des Hochwasserproblems sei aber "kein K.o.-Kriterium, das ist technisch machbar".

Für das Waldseebad sind verschiedene Planungsvarianten angedacht worden:

Naturbad-Sanierung im Bestand mit Gesamtwasserfläche von 4260 m2.
Naturbad mit deutlich kleinerer Badefläche, wenn Regenerationsteiche mit 1335 m2 ins Becken integriert werden.
Technikbad durch Sanierung des bestehenden Bads, zirka 4000 m2 Badefläche.
Technikbad mit kleinerer Badefläche von weniger als 2000 m2.
Kombinationen Natur- und Technikbad, zwei getrennte Becken; mit neuem Edelstahlbecken für den Chlorbereich.
Kombi Hallenbad/Freibad im Waldseebad als Chlorbad mit neuem Edelstahlbecken draußen von 3000 m2.

Im Zuge der Planungen sollen weitere Standorte auf ihre Eignung untersucht werden. Ausdrücklich erwünscht sind Anregungen aus der Bevölkerung an die E-Mail-Adresse Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

Im Blickpunkt: Hallenbad Murgana

Sanierungsfall im Herzen der Stadt

BT28112016

Beim Schwimm-Meeting des TB Gaggenau geht es besonders eng zu im Murgana-Hallenbad. Die Bahnen sind nur 25 Meter lang.   Foto: av/Vugrin

Gaggenau - (tom) Dach, Fenster, Dämmung - alles wäre dringend sanierungsbedürftig, führte Bürgermeister Michael Pfeiffer aus. „Wir hatten uns schon längere Zeit Gedanken gemacht." Vier bis viereinhalb Millionen Euro würde eine Sanierung des Bads kosten. Es ist 49 Jahre alt. Wenn man den Standort aufgibt, könnte man die Fläche in Innenstadtlage vermarkten und den Erlös bei einem Neubau anderswo gegenrechnen.

„Bleibt das Hallenbad offen, bis eine andere Lösung funktioniert?", fragte Manuela Knaus, DLRG, Grundschüler, Ganztagsschule und Kindergärten aus der Kernstadt seien Nutzer. OB Florus stellte klar: „Mit gewissen Sanierungsmaßnahmen" könne das Hallenbadüber 2019 hinaus betrieben werden, „da haben wir Luft". Man müsste mehrere Millionen investieren in eine grundlegende Sanierung des Bads, sagte Bürgermeister Pfeiffer, gleichwohl werde der bisherige Standort noch nicht abgeschrieben. Doch für Wettkampfsport, Schulsport und als Freizeitbad ist das Murgana in seiner jetzigen Form zu klein.

Bei einer groben Kostenschätzung summiert sich der Bau eines kombinierten Hallen-Freibads auf zwölf bis 20 Millionen Euro. Der Bau eines isolierten Freibads werde zwischen fünf bis zehn Millionen kosten. Aber Kosten für laufenden Betrieb werden langfristig viel gravierender sein als die reinen Baukosten.

Mindestens 3000 m2 Grundstücksfläche für ein Hallenbad und mindestens 15000 m2 für ein Kombibad sind nach Ansicht von Experten notwendig.

Zum Thema: Weitere Stationen in der Bäderfrage

Entscheidung im Mai 2017

Gaggenau (tom) - Eingebunden in die Entscheidungsfindung bei der Bäderfrage ist auch die "Projektgruppe Zukunft Gaggenau 2030 (ZG 2030)". "Sie versteht sich als strategische Lenkungs- und Steuerungsgruppe für die Stadtentwicklung der nächsten Jahre", so die Stadtverwaltung. ZG 2030 befasst sich mit der Weiterentwicklung der Stadt unter Berücksichtigung des Leitbilds Zukunft Gaggenau für die Gesamtstadt und die Stadtteile. Neben der Rathausspitze und neun Gemeinderäten sind Mitglieder: sieben Bürger, je einer aus Stadtmarketing Arbeitskreise, Stadtjugendring/Jugendgemeinderat, Seniorenrat, Wirtschaft/Mittelstand, Vereine (Sport), Vereine (Kultur), Einzelhandel/Werbegemeinschaft. Ðazu ein Vertreter des Freundeskreises Waldseebad und des Schwimmbadvereins Kuppelsteinbad. Weitere Personen (Fachexperten) können je nach Thema zu den Projektgruppensitzungen eingeladen werden.

Terminplanung (Auszug):

März 2017: Bürgerdialog.
März: nichtöffentliche Klausur des Gemeinderats.
April: Gemeinderat trifft öffentlich eine erste Grundsatzentscheidung: getrennte Bäder oder Kombibad. Auch Standort sollen festgelegt werden.
Mai: Bürgerdialog.
Mai: nichtöffentliche Klausur des Gemeinderats.
Mai: Gemeinderat befindet in öffentlicher Sitzung über Freibad-Charakter: Naturbad, Mischbad oder reines Chlorbad. Das Hallenbad muss als Chlorbad betrieben werden.

Zum Thema: Mögliche Schwimmbad-Standorte

19 Flächen untersucht

Gaggenau (tom) - 19 mögliche Standorte für Frei-, Hallen- oder Kombibäder hat die Stadt in den letzten Monaten geprüft. Davon sind zehn Standorte weiter in der Diskussion.

 Flächen ausschließlich für einen Hallenbadneubau:

Aktueller Standort Hirschstraße. Das Grundstück von 2800 m2 ist eigentlich zu klein.
Anbau ans Rotherma.
Gewerbeflächen zwischen Hilda- und Luisenstraße (gegenüber Raiffeisen und Parkhaus) von rund 5400 m2.
Ehemaliges Rotenfelser Freibad an B462 und Rotherma-Querspange.

Flächen für Kombibad (Hallenbad plus Freischwimmbad) oder reines Freibad:

Waldseebad
Ehemaliges Rotenfelser Freibad.
Traischbach-Stadion
: Hartplatz und angrenzende Wiese zur Waldstraße (Kombibad).
Tennisplätze im Traischbachtal (16000 m2), (ehemaliges TC-Grün-Weiß-Gelände).
"Zirkusplatz" zwischen Waldstraße, Stadion und Waldrand.
Heutige evangelische Kirche Bad Rotenfels
Am Schulzentrum Dachgrub
entlang des Hubwegs.

Ausgeschlossen werden: "Zirkusfläche" Dachgrub, "Dorfgarten" Bad Rotenfels, Kuppelsteinbad, unteres Bäumbachtal, Bruchgrabenstraße bei Protektor, zwischen Unimogmuseum und Akademie, zwischen Sportplatz Bad Rotenfels und Schloss, Parkplatz an der Berliner Straße, Hebelschule, Rotherma hinter dem Saunapark, zwischen Luisen- und Viktoriastraße.

www.badisches-tagblatt.de

 

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