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Saison 2016

2016-12-31 BNN

Nur im Miteinander

Stadtgespräch

Vor einigen Wochen bereits haben die Vereine im Murgtal ihre vielfach erfreuliche Bilanz 2016 gezogen. Wenn die Stadt Gaggenau in ihr Jahrbuch blickt, mögen sich die Verantwortlichen mitunter zu Recht auf die Schulter klopfen. Einiges wurde erreicht: So hat die Stadt das Mobilitätskonzept 2030 auf den Weg gebracht, den Hochwasserschutz an den gefährlichen Stellen entschieden verbessert und auch den Wohnungsbau (wenn auch nicht immer „sozialverträglich“) vorangetrieben. Zum krönenden Abschluss konnte Oberbürgermeister Christof Florus noch einen glänzenden Doppelhaushalt 2017/18 auf dem Silbertablett präsentieren. Dank hoher Gewerbesteuereinnahmen vor allem durch das weiter florierende Benz-Werk kommt die Stadt ohne Neuverschuldung aus.

Grund, die Sektkorken knallen zu lassen, besteht allerdings keineswegs. Die Gaggenauer Altenhilfe als Stadttochter ist in akuter Finanz- und Personalnot, der Tourismus-Zweckverband „Im Tal der Murg“ steht noch immer ohne Geschäftsführer (und nennenswerte Ergebnisse) da und manche Bauprojekte, wie etwa das Murgcafé, konnten nur mit Ach und Krach, teils nach mehrfacher Verzögerung, beginnen. Dass das Waldseebad bereits schließen musste, noch ehe die Saison im Juni begann, war zwar vor allem Mutter Natur geschuldet, doch eine Stadt, die zwei Sommer lang ihr größtes Freibad verriegelt, muss sich fragen lassen, ob sie hier im Vorfeld nicht einiges versäumt hat. Der Entscheidungsprozess im Frühjahr dürfte jedenfalls mehr als zäh werden.

Was die Stadt und das Murgtal insgesamt 2016 ausgezeichnet hat, waren weniger die politischen Entscheidungen als vielmehr die Leistungen der Gemeinschaft engagierter Bürger. Nicht nur auf den großen Dorffesten wie in Bad Rotenfels oder Michelbach liefen sämtliche Abläufe von der langen Vorplanung bis zum Abbau der letzten Bude Hand in Hand, auch bei der Betreuung der Flüchtlinge bewiesen die Ehrenamtler im gesamten Murgtal Konzilianz und Nächstenliebe. Dieses starke Band der Gemeinschaft stimmt trotz dieses schicksalhaften und vielfach zermürbenden Jahres 2016 hoffnungsfroh.

Gerade hat die Stadt Gaggenau die Ergebnisse des Bürgerprojekts „Zukunft 2020“ vorgestellt. Die Wunschliste ist lang und vielfach durchaus umsetzbar. Ob sich aber in Hörden so einfach mehr Wohnraum schaffen lässt, ob es in Oberweier eine bessere Verkehrsanbindung geben kann und sich in Freiolsheim ein Dorfladen etabliert, das ist mehr als ungewiss. Die Stadtoberen sollten aber ihr dickes Finanzpolster nutzen, um auch die unbequemen Themen anzupacken. Angesichts der guten Haushaltslage auf Autopilot zu stellen, wäre falsch.

Und wieder sind die Bürger gefordert, die Entscheidungsprozesse beharrlich, mehr noch als bislang, mitzugestalten. Denn, das ist vielleicht die gute Botschaft des so anstrengenden Jahres 2016: Es geht nur im Miteinander.     Christian Hensen

www.bnn.de

 

2016-12-16 BNN

Es geht um mehr Lebensqualität

Erste Bürgerwerkstatt zur Gesundheitsstrategie

Von BNN Redaktionsmitglied Thomas Dorscheid

Gaggenau. „Die Vision für Gaggenau ist, gegenüber dem statistisch zu erwartenden Trend, im Durchschnitt und mess- und nachweisbar für jeden Bürger ein gutes Jahr gesundes Leben dazuzugewinnen - nicht mehr und nicht weniger als einfach die Neujahrswünsche für ein Jahr tatsächlich in die Praxis umzusetzen." So lautet, formuliert von Professor Joachim Fischer vom Mannheimer Institut für Public Health, die Zielsetzung der mehrjährigen kommunalen Gaggenauer Gesundheitsstrategie „Ein gutes Jahr mehr".

Das Mannheimer Institut leitet und begleitet dieses Gaggenauer Zukunftsprojekt; am Mittwochabend kamen rund 30 Interessierte zu der ersten „Bürgerwerkstatt" in das Rathaus. In seiner Rede fasste Oberbürgermeister Christof Florus zusammen: „Es geht um mehr Lebensqualität heute und um eine bessere Gesundheit morgen." Die kommunale Gesundheitsstrategie betreffe alle Themen kommunaler Stadtentwicklung - von der Stadtplanung über die Bildung, den öffentlichen Raum bis hin zu den Bereichen Freizeit / Kultur und Energie / Umwelt / Natur.

In der nachfolgenden Bürgerrunde ging es im Wesentlichen darum, die Erwartungen, Wünsche und Ratschläge von Gaggenauer Bürgern mit Blick auf das angestrebte „Ein gutes Jahr mehr" einzuholen. Dabei kristallisierte sich das „soziale Miteinander" bereits als sehr wichtiger Aspekt heraus.

Die finanzielle Basis

Das Stuttgarter Wissenschaftsministerium finanziert für zunächst drei Jahre „das einzigartige Experiment" in Gaggenau" (Ministerin Theresia Bauer, Grüne) aus dem Etat „Sonderlinie Medizin" mit jährlich rund 350.000 Euro. Das Geld fließt im wesentlichen an das Mannheimer Institut für Public Health, an das Zentralinstitut für Seelische Gesundheit Mannheim und an das Institut für Arbeitswissenschaft und Versorgungsforschung an der Universität Tübingen. Insgesamt, schätzt Fischer, sollte das Projekt einen Zeithorizont von fünf bis zehn Jahren aufweisen.

Die Statistiken

Bekannt sind aufgrund weltweiter Studien negative oder positive Auswirkungen von bestimmten Verhaltensweisen auf die Lebenszeit: Etwa „Mit dem Rauchen aufhören" (plus vier Jahre), „Mehr als zwei Glas Wein oder zwei Bier am Tag" (ein bis fünf Jahre weniger) oder „Früchte und Gemüse statt Fast Food" (plus vier Jahre). Die überwiegenden Ausgaben in unserem Gesundheitswesen, so Professor Fischer, der früher selbst als Kinderarzt tätig war, „betreffen die so genannten Zivilisationskrankheiten und ihre Folgen sowie die Folgen von psychischen Erkrankungen oder unklaren Beschwerdebildern, für die Mediziner heute noch keine einfache Erklärung finden können."

Auch ist der Fortschritt nicht für alle gleich. Ein weiteres Statistik-Beispiel: Männliche Hauptschulabsolventen haben heute in Deutschland durchschnittlich eine um mehr als 14 Jahre kürzere Lebenserwartung als Akademikerinnen. Die neueste Forschung zeige, so Fischer, „dass man damit nicht auf die Welt kommt, sondern eher in der frühesten Kindheit durch Genregulation das spätere Leben und die Merkmalsausprägung festgelegt wird."

Was ist neu?

Bei dem Gaggenauer Projekt soll es aber um deutlich mehr gehen als um die „Ermahnung und Angstmache klassischer Gesundheits- und Risikoaufklärung". Die Aufgabenstellung führt vielmehr aus der rein medizinischen Betrachtung heraus, richtet sich an die Politik und Unternehmen und viele weitere Verantwortungsträger - etwa die Repräsentanten in einer Kommune, die Kindergarten- und Schulleitungen, die Vorstände in (Sport)Vereinen und viele andere mehr. Kurz gesagt: Es geht um mehr Lebensqualität.

Hierzu Fischer: „Wir wissen wiederum aus der jahrzehntelangen Forschung..., dass mehr Lebensqualität und insbesondere das Mindern der sozialen Unterschiede in erlebter Lebensqualität als unvermeidbare Nebenwirkung auch mehr Lebenszeit ergibt - und dazu noch bessere Lebenszeit." Konkretes Beispiel: Bei älteren Menschen ist Einsamkeit der bedeutsamste Risikofaktor - wichtiger als Bluthochdruck, Fette und Rauchen zusammen.

Der weitere Weg

Zunächst geht es für das Mannheimer Institut um eine umfassende Bestandsaufnahme. Denn nichts wäre für die Wissenschaftler nach eigener Aussage peinlicher, als am Ende etwas vorzuschlagen, was es in der Stadt bereits gibt. So sind Ansatzpunkte die bereits bestehenden Aktivitäten, etwa die „Vitale Fabrik" im Mercedes-Benz-Werk Gaggenau mit ihren umfassenden Angeboten oder die weiterführenden Initiativen, die es in Kindergärten und Schulen bereits gibt.

Dann wollen die Wissenschaftler mit neuen, anderswo in der Welt aber schon erfolgreich eingesetzten Forschungsmethoden Daten in Kindergärten sowie Schulen (vierte und siebte Klassen) erheben, um daraus Maßnahmen für mehr gesundheitliche Lebensqualität entwickeln zu können.

Hinzu kommen eine Gesprächsrunde mit Schulleitern, eine repräsentative Stichprobe mit 800 Personen zu „Gesundheit und Umgebung", eine Bestandsaufnahme in Unternehmen und vertiefende Gespräche mit den Parteien.

Konkrete Vorhaben

Ein konkretes Vorhaben betrifft die Frühintervention bei Rücken und Psyche in Betrieben in Zusammenarbeit und unter Finanzierung der BKK Daimler und der AOK. Auch für Klein- und Kleinstunternehmen soll es Angebote geben.

Die Stadt Gaggenau könne auch, so Professor Fischer weiter, bei der aktuell anlaufenden Bäderdiskussion unterstützt werden: Das Institut könne Informationen liefern, was es an Forschung zu den gesundheitlichen Folgen etwa von Chlor oder Naturbad gibt und wie sich das konkret ausrechnet, auch gesundheitsökonomisch.

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Weihnachtsbrief 2016

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2016-12-08 GaWo

Fragen und Antworten zur Bäderfrage

Viele haben es in diesem Sommer vermisst - das Schwimm- und Erholungsvergnügen im Waldseebad. Das traditionelle Gaggenauer Freibad musste nach einem schweren Unwetter aufgrund der Hochwasserschäden in diesem Frühsommer geschlossen werden. Da zudem noch weitere technische Probleme in dem Naturbad hätten angegangen werden müssen, soll nun eine Grundsatzentscheidung zur Zukunft des Bades getroffen werden. Verbunden damit wird gleichzeitig die Frage nach der Zukunft des Hallenbades, das ebenfalls sanierungsbedürftig ist.

GaWo08122016 1Die interessierte Bürgerschaft ist mit der Stadt in einen konstruktiven Bäderdialog getreten. Foto: StVw

Bei der Gaggenauer Bäderfrage setzt Oberbürgermeister Christof Florus auf den Austausch mit der Bevölkerung. Dieser Tage fand der erste Bäderdialog in der Jahnhalle statt, bei dem den Bürgerinnen und Bürgern die verschiedenen möglichen Bäder-Varianten und Standorte vorgestellt wurden. Insbesondere wurde die zeitliche Planung vorgestellt. Anfang des neuen Jahres ist eine breit angelegte Umfrage vorgesehen, um ein Meinungsbild der Bevölkerung zu den wichtigsten Fragestellungen einzuholen.

Nach einer Klausurtagung im März wird der Gemeinderat bereits im April eine erste Grundsatzentscheidung treffen. Dabei geht es um die Frage, ob es künftig für Gaggenau ein Kombibad (Hallen- und Freibad am gleichen Standort) geben soll oder weiterhin getrennte Bäder (Freibad und Hallenbad). Damit verknüpft ist dann auch die Frage des oder der Standorte. Um die Technik geht es dann in einem nächsten Schritt: Im Mai 2017 wird der Gemeinderat entscheiden, ob das Freibad als reines Naturbad, als reines Chlorbad oder in einer gemischten Form betrieben wird. Das Hallenbad muss als Chlorbad

betrieben werden. Vor den jeweiligen entscheidenden Gemeinderatssitzungen wollen die Verantwortlichen jeweils in Bäderdialogen über den aktuellen Sachstand informieren und Anregungen aus der Bürgerschaft berücksichtigen.

Eingebunden in den Diskussionsprozess ist auch die Projektgruppe Zukunft Gaggenau 2030 (ZG 2030), die sich als Lenkungs- und Steuerungsgruppe für die Stadtentwicklung mit Zukunftsthemen befasst. Dieser gehören neben neun Gemeinderäten, auch Vertreter des Stadtmarketing, Stadtjugendring, Seniorenrat, der Wirtschaft, der kulturellen und sportlichen Vereine sowie Vertreter des Freundeskreises Waldseebad und Schwimmbadvereins Kuppelsteinbad an.

Welche Standorte kommen in Frage?


GaWo08122016 2Die Verwaltung hat eine Vielzahl von möglichen Standorten sowohl für ein Kombibad wie auch für getrennte Bäder geprüft. Dabei wurden unter anderem Kriterien wie Flächenbedarf, Stellplatzfrage, verkehrliche Anbindung sowie die Anbindung für Schulen und Vereine berücksichtigt. Weiteres Augenmerk galt den Eigentumsverhältnissen, den Bodeneigenschaften sowie möglichen Restriktionen (z.B. Naturschutz). Aus 19 Standorten kristallisierten sich schließlich zehn Alternativen heraus. Der Beteiligungsprozess ist aber offen für weitere Standortanregungen aus der Bürgerschaft.

So sind für das Freibad neben dem bisherigen Standort (dem Waldseebad) auch Flächen am Stadteingang West (ehemaliges Rotenfelser Bad) sowie an mehreren Standorten im Traischbachtal in der Diskussion. Sämtliche Vorschläge müssen allerdings noch tiefergehend untersucht werden.

Für das neue Hallenbad gibt es folgende Optionen: Anbau an das Rotherma, am bisherigen Standort (ist aber eigentlich zu klein) oder auch auf Gewerbeflächen zwischen Hilda-und Luisenstraße, eine Fläche neben Traischbachhalle sowie auf dem Gelände des ehemaligen Rotenfelser Freibades. Im Gespräch sind auch der Standort der heutigen evangelischen Kirche sowie der Platz entlang am Schulzentrum Dachgrube.

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