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Start News Presse 2019-09-03 BNN

2019-09-03 BNN

Der weite Weg zum neuen Waldseebad

Eine Chronik von der Überschwemmung 2016 bis zum Spatenstich im September 2019

Von BNN Redaktionsmitglied Thomas Dorscheid

bnn03092019Gaggenau. Fünf Jahre werden es – Stand jetzt – sein, die zwischen der Überflutung des Waldseebades nach einem Starkregen im Juni 2016 und der Wiedereröffnung der Anlage in völlig neuer Form zur Freibadsaison 2021 liegen. Am 14. September soll der Spatenstich für den Umbau (besser: Neubau?) erfolgen; damit können nach langer Vorbereitungsphase die sichtbaren Arbeiten am Standort beginnen.

Die BNN rufen Stationen von der Überschwemmung bis zum Spatenstich in Erinnerung. Fehlgeschlagene Zeitpläne, Kostensteigerungen und enttäuschte Zuschusshoffnungen gehören ebenso dazu wie eine konsequente Bürgerbeteiligung und eine jederzeit sachliche Diskussion.

2016: Schlamm im Becken

12. Juni 2016: Das Unheil nimmt seinen Lauf: Nach sintflutartigem Regen überschwemmt der Traischbach mit seiner braunen Brühe das Waldseebad. Auch die Regenerationsbecken sind betroffen, die Pumpen defekt. Das Becken ist voller Schlamm und die Freibadsaison 2016 in der idyllisch gelegenen Anlage nach nur 23 Badetagen gelaufen – aber nicht nur diese Saison, wie sich schon bald herausstellt.

13. Juni 2016: In einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz erklärt Bürgermeister Michael Pfeiffer, dass nach einer Entleerung und Reinigung des Bades erst wieder der biologische Kreislauf des Naturbads in Gang kommen müsse. „Das Bad öffnet frühestens Mitte August – oder diese Saison gar nicht mehr.“ Oberbürgermeister Christof Florus deutet an, dass es je nach Schadenshöhe Sinn mache, gleich mit der ohnehin beabsichtigten Sanierung des Bades zu beginnen.

11. Juli 2016: Der Gemeinderat nimmt die Überschwemmung zum Anlass, eine ohnehin geplante Sanierung des Bades vorzuziehen. OB Florus wirbt um Verständnis für die längere Schließung: „Wir haben die Stunde null und stehen vor einer Vollsanierung.“

19. November 2016: Der Freundeskreis Waldseebad positioniert sich: Es soll ein Naturbad bleiben.

26. November 2016: Erster „Bäderdialog“ in der Jahnhalle: Der mehrstufige Prozess zur Entscheidungsfindung in der Bäderfrage wird den rund 220 Bürgern erläutert. Ein Zeitplan wird vorgelegt und mögliche Bädertypen beziehungsweise -kombinationen aufgezeigt.

2017: Jahr der Beratungen

14. März 2017: Zweiter „Bäderdialog“ in der Jahnhalle: Die rund 80 Bürger und Gemeinderäte erhalten umfassendes Fakten- und Zahlenmaterial zu möglichen Bädervarianten. Als mögliches Jahr für eine Wiedereröffnung werden an diesem Tag die Jahre 2019 oder 2020 genannt.

15. März 2017: Laut einer Fragebogenaktion der Stadtverwaltung liegt der Standort Waldseebad als Freibadstandort in der Bürgermeinung mit 69,4 Prozent Zustimmung weit vorne. Die große Wasserfläche dort will eine große Mehrheit (71,3) erhalten. Das Technikbad (47,7 Prozent) hat mehr Befürworter als ein reines Naturbad (32,2).

3. April 2017: Mit großer Mehrheit beschließt der Gemeinderat, dass das Hallenbad und das Freibad weiterhin an getrennten Standorten betrieben werden. Damit wird der Errichtung eines Kombibades, von der FWG ins Gespräch gebracht, eine Absage erteilt. Als Standort für das Freibad wird der bisherige Standort Waldseebad festgelegt.

6. Mai 2017: Weitere Bürgerinformation („Bäderdialog“) in der Jahnhalle: 60 Besucher lauschen dem Faktencheck rund um die drei in Frage kommenden Varianten Naturbad, Technikbad oder Mischbad.

Mai 2017: Eine Gaggenauer Delegation besucht die Naturbäder in Tros- singen und Glatten, um Erkenntnisse für die eigene Entscheidung mitzunehmen.

29. Mai 2017: Einstimmig beschließt der Gemeinderat, die seit Juni 2016 geschlossene Anlage zu einem „Mischbad“ umzugestalten: Ein größeres Naturbadbecken soll mit einem kleineren Technikbecken kombiniert werden.

31. Mai 2017: Der Freundeskreis Waldseebad, der sich für ein Naturbad eingesetzt hatte, kann mit der Entscheidung des Gemeinderats leben. Vorsitzende Sabine Arnold gegenüber den BNN: „Wir sind von der Lösung nicht begeistert, halten sie aber für einen tauglichen Kompromiss.“

4. Dezember 2017: Der Gemeinderat vergibt die Architekten- und Ingenieurleistungen für den Badumbau für insgesamt 1,5 Millionen Euro. Für einen verbesserten Hochwasserschutz muss die Verdolung des Traischbachs deutlich erweitert werden.

2018: Kosten explodieren

22. Februar 2018: Bürgermeister Michael Pfeiffer kündigt in der Mitgliederversammlung des Freundeskreises Waldseebad an, dass die Eröffnung des umgebauten Bades für das Jahr 2020 geplant sei.

17. März 2018: Wie soll das neue Waldseebad aussehen? Der Freundeskreis Waldseebad richtet einen Workshop aus, rund 30 Bürger nehmen teil.

Frühjahr 2018: Die Stadt macht von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch und erwirbt die Waldseebad-Gaststätte für 290 000 Euro. Bereits in früheren Jahren gehörte die Gaststätte der Stadt, bevor sie veräußert wurde.

18. Juni 2018: Die Verwaltung legt dem Gemeinderat zwei Varianten zum geplanten Umbau vor. Wichtig ist allen Interessengruppen, die an den Vorberatungen teilgenommen haben, dass künftig keine Liegefläche verloren geht; auch soll die Zahl der Parkplätze erhöht werden.

28. Juni 2018: Zur abschließenden Bürgerinformation kommen nur noch 30 Zuhörer in die Jahnhalle. OB Florus erklärt den deutlichen Kostenanstieg von ursprünglich 6,8 Millionen auf bis zu 13,6 Millionen Euro durch mehrere Zusatzmaßnahmen, die in die Planung aufgenommen worden seien.

23. Juli 2018: Bei zwei Enthaltungen und zwei Gegenstimmen stimmt der Gemeinderat dem Planentwurf für das neue Waldseebad zu, das als kombiniertes Natur- und Technikbad neu gebaut werden und sieben Becken beziehungsweise separate Teilbereiche aufweisen soll. Die jährlichen Betriebskosten werden auf über eine Million geschätzt – fast doppelt so hoch wie zu Naturbadzeiten.

2019: Eröffnung verschoben

21. Januar 2019: OB Florus gibt vor dem Gemeinderat bekannt, dass nach aktualisierten Planungen auch der Kiosk im Bad abgerissen werden soll.

4. April 2019: „Zeitplan für Waldseebad auf der Kippe“ titeln die BNN. Eventuell könne die für Sommer 2020 geplante Wiedereröffnung nicht gehalten werden, bestätigt wenige Tage später die Stadtverwaltung.

12. April 2019: Enttäuschung im Rathaus der Benz-Stadt: Der Antrag auf millionenschwere Fördermittel für den Umbau des Bades aus einem Bundesförderprogramm läuft ins Leere.

3. Juni 2019: Die Stadt gibt offiziell bekannt, dass das Waldseebad erst im Mai 2021 wiedereröffnet werden kann.

19. Juni 2019: Mit 1,6 Millionen Euro, gleich 70 Prozent der förderfähigen Kosten, unterstützt das Land Baden-Württemberg den Hochwasserschutz am Traischbach im Waldseebad.

1. Juli 2019: Der Gemeinderat vergibt Aufträge für den Abbruch, für Erd- und Betonarbeiten sowie für weitere Arbeiten in der Anlage, darunter auch für den Bau eines Entlastungskanals zur Verbesserung des Hochwasserschutzes. Die Gesamtsumme beträgt 4,2 Millionen Euro. Die Stadtverwaltung führt aus, dass die einzelnen Beträge teilweise zwischen 23 und 29 Prozent über den kalkulierten Summen liegen. „Ich habe Bauchweh, den Arbeitsvergaben für das Waldseebad aufgrund der fehlenden Millionen an Gewerbesteuer zuzustimmen“, sagt FWG-Gemeinderat Martin Hahn. „Wir haben noch nie so fette Rücklagen gehabt“, meint dagegen SPD-Rat Stefan Schwaab. Bürgermeister Pfeiffer sagt, dass man weiterhin von 13,6 Millionen Euro Gesamtkosten ausgehe, auch wenn man diese zunächst um 500 000 Euro erhöhen müsse.

14. September 2019: Mit dem symbolischen Spatenstich sollen die sichtbaren Umbau- und Sanierungsarbeiten im Bad beginnen.

www.bnn.de

 

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