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Start News Presse 2019-07-03 BNN

2019-07-03 BNN

Vertrauen statt Bauchweh

Gemeinderat Gaggenau diskutiert über die anstehende Sanierung des Waldseebads

Kosten liegen bei rund 13,6 Millionen Euro

Gaggenau (ko). Der Gemeinderat Gaggenau steht trotz der hohen Kosten und den zu erwartenden Ausfällen beim Gewerbesteueraufkommen nach wie vor mit großer Mehrheit zur Sanierung des Waldseebades. Dies wurde jüngst bei der mit viel Emotionen geführten Diskussion im Rahmen der Vergabe einiger Arbeiten deutlich. Unter anderem CDU-Stadträtin Christina Palma-Diaz forderte eine strikte Kostendisziplin, die von der Verwaltung auch zugesagt wurde.

„Ich habe Bauchweh, den Arbeitsvergaben für das Waldseebad aufgrund der fehlenden Millionen an Gewerbesteuer zuzustimmen“, eröffnete FWG-Rat Martin Hahn die Diskussionsrunde. Mit den elf Millionen Euro, die fehlen, müsste man das Bad kleiner machen. „Die laufenden Kosten, bei denen man schon heute von mehr als einer Million jährlich ausgeht, werden uns erdrücken“, betonte Christina Palma-Diaz. „Ich habe keine Angst, haben Sie Vertrauen“, meinte dagegen Oberbürgermeister Christof Florus. Der Verwaltungschef machte deutlich, dass man über entsprechende Rücklagen verfüge und das Bad machbar sei. Darin sei sich die Verwaltungsspitze einig. „Wir sind sicher, die Realisierung des Bades wie geplant durchzuführen.“ Das Schwimmbad zu stoppen, sei nicht machbar.

Auch Bürgermeister Michael Pfeiffer machte deutlich, dass man den Schritt der Realisierung jetzt wie geplant gehen sollte. Man gehe weiterhin von den 13,6 Millionen Gesamtkosten aus, auch wenn man diese zunächst um 500 000 Euro erhöhen muss. Pfeiffer zeigte sich optimistisch, dass man mit den weiteren Vergaben die Gesamtkosten wieder nach unten korrigieren werde.

Nach Meinung des SPD-Fraktionsvorsitzenden Gerd Pfrommer müsse man eine ganzheitliche Betrachtung vornehmen. Pfrommer betonte, dass keine „Panikmaßnahmen“ erforderlich seien, da das Bad solide finanziert ist. Der Gemeinderat, so Pfrommer, trat stets für solides Haushalten ein. „Diese Position verlassen wir auch heute nicht.“

Es sei falsch, jetzt Änderungen vorzunehmen, sagte FDP-Rat Theo Gehrmann. Die Chancen für das Waldseebad sind da. Die Diskussion wieder von vorne zu beginnen, sei nicht gut. Mehr Gelassenheit forderte SPD-Rat Stefan Schwaab. Die Welt gehe nicht unter wegen der aktuellen Konjunkturschwankungen. „Wir haben zudem noch nie so fette Rücklagen gehabt“, betonte er. „Mit unseren Rücklagen können wir eine Konjunkturdelle von drei Jahren überstehen. Es wäre zudem verantwortungslos, wenn wir jetzt unsere Entscheidung zum Umbau des Waldseebades in Frage stellen würden.“ Es dürfe jedoch nicht sein, dass die Stadt anstelle der jetzt vorgesehenen Kosten bei 23,6 Millionen Euro lande, kritisierte der CDU-Fraktionsvorsitzende Andreas Paul.

„Wenn wir jetzt die Vergabe nicht vornehmen, dann verlieren wir viel Zeit und Geld“, sagte Eric Peplau von den Grünen. „Wir müssen jetzt das Bad nach vorne bringen, sonst wird es eine Lachnummer und Blamage zugleich.“ Eine Stellungnahme verlas CDU-Stadträtin Ellen Markert, die daran erinnerte, dass man im Mai 2017 noch von Kosten in Höhe von 6,4 Millionen Euro ausging. Ein Jahr waren diese mehr als doppelt so hoch. Markert appellierte auch im Namen von Stadträtin Karolin Zebisch, den „großzügigen Rahmen“ nicht zu überschreiten.

Stadt investiert Millionen in Umbau

Abriss und Neuerung: Räte vergeben schließlich Aufträge für das Waldseebad in Gaggenau

Von BNN Mitarbeiter Joachim Kocher

Gaggenau. Der Gemeinderat beschäftigte sich in seiner jüngsten Sitzung mit der Sanierung und dem Umbau des Waldseebad Gaggenau. Er vergab mit großer Mehrheit die Abbruch-, Erd-, Beton-, Stahlbeton- und Rohrleitungsarbeiten für den Bau eines Entlastungskanals zur Verbesserung des Hochwasserschutzes sowie für den Umbau des Bades. Den Zuschlag erhielt am Montag die Firma Grötz aus Gaggenau zum Angebotspreis von 4,229 Millionen Euro. Die weiteren Angebotssummen lagen zwischen 4,325 und 4,824 Millionen Euro.

Beim Starkregenereignis vom 12. Juni 2016 trat bekanntlich der Traischbach im Bereich des Waldseebades über die Ufer und überflutete das gesamte Schwimmbecken. Das Waldseebad konnte seither nicht mehr in Betrieb genommen werden. Am 30. April 2019 wurden die Arbeiten für den Bau eines Entlastungskanals zur Verbesserung des Hochwasserschutzes sowie Abbruch- und Erdarbeiten für die Sanierung beziehungsweise den Umbau des Waldseebades gemeinsam ausgeschrieben. Zum Ablauf der Angebotsfrist am 4. Juni lagen insgesamt vier Angebote vor.

Der Leiter des Bauverwaltungsamtes Andreas Fritz erläuterte ausführlich die Baumaßnahme und informierte zunächst über den Bau des Entlastungskanals. Um einen dauerhaften Betrieb eines Schwimmbades an dieser Stelle sicherstellen zu können, muss nach Aussage der Verwaltung die Hochwassergefährdung durch den Traischbach und seinen Seitenzufluss deutlich reduziert werden. Hierzu ist es unter anderem erforderlich, die Traischbachverdolung von derzeit DN 800 bis 1000 Millimeter auf einen Durchmesser von DN 1600 aufzuweiten. Der Seitenzufluss soll von derzeit DN 500 auf DN 1200 bis DN 1600 vergrößert werden. In den Zustrombereichen muss der offene Bachlauf ausgebaut werden. Außerdem sollen Geländemodellierungen das Oberflächenwasser aus den beiden Tälern zu den neuen Einlaufbauwerken lenken. Der Anteil der Angebotssumme für die Herstellung des Hochwasserschutzes am Traischbach im Bereich des Waldseebades beläuft sich auf brutto 1,997 Millionen Euro. Dieser Betrag liegt rund 23 Prozent über der kalkulierten Summe.

Zu den nun vergebenen Arbeiten gehören ferner sämtliche erforderlichen Rückbauarbeiten im Bereich der Schwimmbecken und Aufbereitungsteiche sowie der Abbruch des Kiosks und des Eingangsgebäudes. Der Teilabbruch im Bereich des Kabinengebäudes wird separat ausgeschrieben, da insbesondere für den alten Filterraum und Maschinenraum zunächst noch eine Untersuchung der Bausubstanz auf Schadstoffe erforderlich war. Weiterhin beinhaltet die Ausschreibung die bautechnischen Bodenarbeiten einschließlich der Arbeiten für die Stabilisierung des Untergrunds, die Dränagearbeiten sowie die Regenwasser- und Schmutzwasserleitungen für die Badanlage. Gegenstand der Ausschreibung waren ferner Mauer- und Beton- sowie Schachtbauarbeiten und die Verlegung der Freispiegelleitungen für den Naturbadteil. Die Rohbauarbeiten für den technischen Badteil, so Fritz, werden gemeinsam mit den Rohbauarbeiten für die Gebäude ausgeschrieben. Bis dahin stehe der Hersteller für die Edelstahlbecken fest und die Massen für die Fundamentierung können so genauer beziffert werden.

Der Anteil der Angebotssumme für die Sanierung beziehungsweise den Umbau des Waldseebades beläuft sich auf brutto 2,232 Millionen Euro. Dieser Betrag liegt circa 29 Prozent über der kalkulierten Summe. Die höheren Preise sind nach Aussage von Bürgermeister Michael Pfeiffer in erster Linie auf die derzeitige konjunkturelle Lage im Tiefbaubereich zurückzuführen. Der Baubeginn ist ab September vorgesehen. Zur Vorbereitung der Ausschreibung des technischen Badteils erfolgte durch den Gemeinderat auch die Festlegung von Ausstattungselementen. Geeinigt wurde sich auch auf den Standort des Kioskes, der zwischen dem Natur- und technischen Badbereich entstehen soll.

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