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Start News Presse 2019-06-21 BT

2019-06-21 BT

Hochwasserschutz im Waldseebad

Zuschuss des Landes

Von Ulrich Jahn

Gaggenau - Mittwoch, 14 Uhr. Nicht nur in Gaggenau herrscht Sommerwetter pur. Die Quecksilbersäule hat die 30-Grad-Marke erreicht. In den Schwimmbädern herrscht Hochbetrieb. Nur im Waldseebad nicht. Das einstige Naturbad hat seit dem Starkregenereignis vor drei Jahren geschlossen. Am Mittwoch gab es jetzt einen wichtigen Schritt hin zur Wiedereröffnung, die für Frühjahr 2021 vorgesehen ist.

bt21062019 1Um das Waldseebad neu bauen zu können, ist die Verbesserung des Hochwasserschutzes unbedingt erforderlich. Denn ein Starkregenereignis war verantwortlich dafür, dass das Bad seit 12. Juni 2016 geschlossen ist. Freude deshalb am Mittwoch nicht nur bei den Verantwortlichen der Stadt Gaggenau. Helmfried Meinel, Ministerialdirektor und Amtschef im von Franz Untersteller (Grüne) geführten Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft von Baden-Württemberg, übergab im Restaurant "Waldseebad", also direkt oberhalb der geschlossenen Freizeiteinrichtung, einen Förderbescheid des Landes für die Hochwasserschutzmaßnahme "Gewässerausbau am Traischbach im Bereich des Waldseebades".

"Hochwasserschutz genießt bei uns einen besonderen Stellenwert", sagte Oberbürgermeister Christof Florus. Weil es sich um "immens hohe Summen" handle, gelte es, Stück für Stück vorzugehen. Vorrang hätten Maßnahmen, die den meisten Nutzen bringen. Grundlage für die Einschätzung von Risiken und Gefahren würden die Hochwassergefahrenkarten bilden, so Florus. In den Karten sind Flächen ausgewiesen, die bei Hochwasserereignissen überschwemmt werden würden. Die Stadt Gaggenau ist für die Seitenzuflüsse der Murg als Gewässer Zweiter Ordnung verantwortlich. Mittlerweile seien Flussgebietsuntersuchungen an 14 Gewässern durchgeführt worden. Der Gemeinderat habe eine Prioritätenliste erstellt. Insgesamt handle es sich um fünf Maßnahmenpakete, die in einem Zeitraum von je fünf bis sieben Jahren umzusetzen seien. Unter dem Strich müssten dafür circa 35 Millionen Euro ausgegeben werden. Allein die Hochwasserschutzmaßnahmen am Waldseebad verschlingen rund 1,8 Millionen Euro. Die Förderung des Landes beträgt etwa 1,3 Millionen Euro.

"Vollständiger Hochwasserschutz ist nicht machbar", räumte Meinel ein. Man werde aber alles tun, um die Gefahren zu minimieren. Der Traischbach, der noch in einer Verdolung unter dem Bad fließt, wird künftig oberirdisch geleitet. Ein Entlastungskanal soll die Wassermassen bei Starkregen aufnehmen.

"Das Geld ist hier sehr gut eingesetzt", meinte Joachim Walde, Geschäftsführer des beauftragten Ingenieurbüros "Walde + Corbe Consulting GmbH". Die alte Verdolung kann maximal 2,2 Kubikmeter Wasser pro Sekunde aufnehmen, Aber schon ein zweijährliches Hochwasser (wie es statistisch alle zwei Jahre vorkommt) kommt auf zwei Kubikmeter. Der Abfluss eines 100-jährlichen Hochwassers liegt zwischen neun und 10,7 Kubikmeter je Sekunde. Diese Menge soll der Hochwasserentlastungskanal aufnehmen können. Zum Vergleich: Durch den neuen oberirdischen Bach im Bad fließen bis zu 90 Liter pro Sekunde ab.

Das Strandbad im Traischbachtal

Bereits vor 90 Jahren wurde in Gaggenau ein Naturbad feierlich in Betrieb genommen

Von Michael Wessel

bt21062019 3Gaggenau - "Alles schon mal dagewesen!" kommt es einem in den Sinn, wenn man im Heimatbuch 2009 des Landkreises Rastatt nachliest, dass vor 90 Jahren - am 1. Juni 1929 - das Gaggenauer Naturbad feierlich in Betrieb genommen und als Strandbad bezeichnet wurde. Bis 1957 erfolgte die Wasserversorgung statt durch den Traischbach und den Weierle über das städtische Kanalnetz.

Erst im Folgejahr wurde eine Umwälzanlage in Betrieb genommen. Und rund 50 Jahre später, im Juli 2006, wurde das Waldseebad nach aufwendigen Umbaumaßnahmen wieder als Naturbad eröffnet. Es musste jedoch bekanntlich im Frühjahr 2016 nach einem schweren Unwetter geschlossen werden. Jetzt wird eine Wiedereröffnung als kombiniertes Natur- und Erlebnisbad für den Mai 2021 in Aussicht gestellt.

Die Initiative zum Bau des Waldseebades kam vom damaligen Bürgermeister August Schneider und vom Kneipparzt Dr. Richard Rahner. Letzterer hatte als Vorsitzender des örtlichen Kneippvereins bereits 1927 im Traischbachtal eine Kneippanlage errichten lassen. Hierzu war bereits am 27. Mai 1927 im Gaggenauer Boten zu lesen: "Der Verwaltungsrat des neugegründeten Kneippvereins unternahm vorgestern früh eine Besichtigung des Draisbachtales. Hier soll ein Kneippinarim geschaffen werden, um dort die verschiedenen Arten der Kneippschen Wasserheilmethode vorbeugender Natur zu üben, wie Tautreten, Wassertreten, gymnastische Übungen. In rechter Fröhlichkeit wurde das Tautreten genügend ausprobiert und die Leichtgymnastik gezeigt und geübt."

Und danach wird deutlich, dass neben dem Arzt Dr. Rahner auch Bürgermeister Schneider ein Anhänger der Kneippschen Lehre war, denn es heißt weiter: "Herr Bürgermeister Schneider gab dabei praktische, in Wörishofen erprobte Anleitungen. Alle Teilnehmer fühlten sich nach vierstündigem Marsch wie neugeboren. Nun soll offiziell mit Kneipps Methode begonnen werden."

bt21062019 2Auf der Rückseite einer colorierten Postkarte des Gaggenauer Fotografen Flora ist zu lesen: "GAGGENAU - Städt. Naturschwimmbad im Draischbachtal". Die Aufnahme muss noch vor der Einweihung gemacht worden sein, denn ein Sprungturm ist nicht zu erkennen. Heißt es doch im Gaggenauer Boten vom 4. Juni 1929 zur feierlichen Eröffnung: "Das neue Bad kann sich sehen lassen weit und breit. Es gehört zu den Badeanlagen in unserer engeren Heimat, die in ihrem Aufbau und in der Benützungsmöglichkeit ohne Zweifel vorbildlich werden. Im vorigen Jahr hatten wir bereits das Ganze in seinem Rudiment vor uns. Schon damals erregte es den Gefallen der Einwohner wie der Fremden. Nun ist es wesentlich erweitert worden, hat große Sprungrampen und Zielstöcke bekommen, eine steinerne Böschung mit Treppen, eine Sonder-Abteilung für Männer und eine für Frauen; zur Besonnung und zu gymnastischen Übungen ein Luftbad am Grafenkopf, ebenfalls getrennt für Männer und Frauen, eine Einfriedung, einen Parkplatz für Automobile, reichlich Sitzbänke zum Ausruhen."

Der Erfolg gab Bürgermeister Schneider Recht. Bereits am 1. August 1929 schreibt er an das Badische Bezirksamt in Rastatt: "Die Anlage hat einen guten Anklang und Zuspruch gefunden. Insbesondere haben sich durch dieses Bad auch Kurgäste in Gaggenau eingefunden."

Beim Betrachten der Postkarte von Flora geben Bäume mitten im Becken des Naturbades Rätsel auf. Doch dieses Rätsel lässt sich lösen: Als besonderer Reiz des Bades gibt es auch die Möglichkeit der Bootsfahrt zu einer kleinen baumbestandenen Insel.

Der getrennte Ausweis von Bade- und Liegeflächen für Männer und Frauen oder gar Wochentage getrennt nach Geschlechtern hatte nicht lange Bestand. Ein Zaun verschwand gar "über Nacht".

www.badisches-tagblatt.de

 

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