• Increase font size
  • Default font size
  • Decrease font size
Start News Presse 2017-05-30 BT

2017-05-30 BT

Chlorbecken vorne, Naturbecken hinten

Einstimmiger Grundsatzbeschluss: Das Waldseebad wird künftig zwei Arten der Wasseraufbereitung haben

Von Thomas Senger

Gaggenau - Naturbad in einem Becken, davon abgetrenntes Chlorbad direkt im Anschluss: Das Waldseebad wird als "Mischbad" neu gebaut. Diesen Beschluss fasste der Gemeinderat gestern Abend einstimmig in öffentlicher Sitzung. Das Gremium folgte dem Vorschlag der Verwaltung. Dieser war bereits im Vorfeld von den Fraktionen für gut befunden worden.

bt30052017Es wird vielleicht 2020, bis das Waldseebad nach dem kompletten Umbau wieder eröffnen wird.  Foto: Fettig


Angedacht sind derzeit:


Chlorbecken in der Nähe des Eingangs mit 700 m²: Sechs 25-Meter-Bahnen, dazu 90 bis 100 m² Sprungbereich, plus Nichtschwimmerbereich mit Wasserrutsche.

Naturbad mit 2100 m² im hinteren Bereich: Sechs 50-Meter-Bahnen, dazu Nichtschwimmerbereich und "Attraktionen". Der hintere Bereich sei tendenziell schattiger und damit kühler; das sei schlechter für das Algenwachstum, erläuterte Bürgermeister Michael Pfeiffer. Man werde sicher auch zumindest einen Teil der jetzigen Regenerationsflächen im Eingangsbereich brauchen, sagte er weiter.

Als Vorbild für die jetzige Lösung gilt das Natur-Chlorbad Montafon. In Deutschland gebe es nach seiner Kenntnis nur zwei weitere Bäder dieser Art, insofern habe man eine Art Alleinstellungsmerkmal. Vertreter aller Fraktionen werteten den Verwaltungsvorschlag als gangbaren Kompromiss. Ferdinand Hurrle (FWG) will bei den nun konkreter werdenden Planungen eine andere Flächenverteilung erreichen: Schließlich sei das angedachte Naturbadbecken nahezu dreimal so groß wie das Kuppelsteinbad. "Naturbad zwischen 1200 uns 1400 m² und Chlorbad entsprechend größer. Da hätte man mehr Möglichkeiten im Spaßbereich. Das wäre für uns und für viele Bürger die bürgerfreundlichste und effizienteste Lösung", schlug Hurrle vor. Nicht zuletzt, so der FWG-Fraktionschef: "Die Bäderumfrage war für uns und für viele Bürger nicht repräsentativ." Die Fragen seien "sehr naturbadlastig" gewesen, das hätten auch viele Bürger zum Ausdruck gebracht.

"Wenn wir dieses Erlebnisbad bauen, dann haben wir höhere Kosten", so Hurrle mit Blick auf das notwendige Badepersonal, "ich glaube, das weiß auch jeder, und das sollte man offen sagen" Gleichwohl habe man nun einen sehr guten Kompromiss.

Der Sanierungsfall soll eine zehnjährige Episode bleiben

Das alte Naturbad ist Geschichte, der Streit vor Gericht um Fehler in Planung und Ausführung geht weiter

Gaggenau (tom) - Die Entscheidung über die Zukunft des Waldseebads ist ein Kernpunkt in der Bäderfrage. Im Folgenden ein Überblick:

Warum ein Neubau? Das Waldseebad war ab 2006 ein sogenanntes Naturbad. Mit Blick auf Planungs- und Ausführungsfehler galt es schon bald nach Wiedereröffnung als Sanierungsfall. Zwischen circa zweieinhalb Millionen bis rund vier Millionen Euro teuer würde eine Sanierung werden - je nach Ausführung, so eine Schätzung von 2014. Gleichwohl wäre ein Betrieb noch eine Zeit lang möglich gewesen. Doch der Starkregen vom 12. Juni 2016 machte einen Weiterbetrieb unmöglich.

Was bewirkte das Unwetter? Das Naturbad musste wegen Überflutung geschlossen werden. In allen Bereichen wurde eine hohe Belastung mit krankheitserregenden Keimen festgestellt. Während Bad und der Brunnen relativ einfach zu reinigen gewesen waren, sei diese Reinigung in den Kiesflächen um das Becken und vor allem in den Regenerationsbereichen schwer oder gar nicht möglich. "Da eine Wiederbefüllung des Bades die Keime nur weiter verteilen würde und ein kurzfristiges Reinigen nicht möglich ist, kann das Waldseebad in der Saison 2016 nicht mehr in Betrieb genommen werden", so OB Florus damals.

Hauptproblem Algen: Das starke Algenwachstum war nicht nur optisch ein Ärgernis. Rutschige und damit unfallträchtige Stufen und Beckenränder sowie geringe Sichttiefe waren Sicherheitsprobleme. Im Juli 2015 musste das Bad für einige Tage geschlossen werden, weil die Sichttiefe zu gering war. Hohe Luft- und Wassertemperaturen hatten zu starkem Algenwachstum geführt. Die mikrobiologische Qualität des Badewassers sei aber auch zu diesem kritischen Zeitpunkt einwandfrei gewesen, verwies die Stadt auf Laborwerte.

Welche Rolle spielt der geologische Untergrund ? Als Sorgenkind erwies sich der Beckenboden. Unter der Folie wellt sich der Untergrund in Abhängigkeit vom Grundwasser- und Stauwasserstand - auch deshalb war die maschinelle Reinigung so problematisch und ungenügend.

Wird die Stadt Gaggenau noch Entschädigung für Planungsfehler erhalten? Diese Frage lässt sich auch bald drei Jahre nach Beginn des Verfahrens im Herbst 2014 vor dem Landgericht Baden-Baden nicht beantworten. Zwar ist die Beweisaufnahme durch das Gericht faktisch abgeschlossen, denn alle Beweise sind durch die Fluten zerstört. Doch 2017 werde "definitiv nicht" mit einer Entscheidung zu rechnen sein, sagte Bürgermeister Michael Pfeiffer im Januar dieses Jahres. Somit ist auch ungewiss, ob und wie viel Schadenersatz die Stadt von Waldseebad-Planer Rainer Grafinger bekommen kann.

Warum überhaupt eine "Bäderdiskussion"? Sowohl Waldseebad als auch das Hallenbad Murgana gelten als Sanierungsfall. Das Murgana wird in diesem Jahr 50 Jahre alt. Es kann aber noch einige Jahre weiter betrieben werden. In einem umfassenden Meinungsbildungsprozess wurden in den vergangenen Monaten verschiedene Varianten untersucht, darunter auch der Bau eines kombinierten Hallen-Freibads. Dies wurde verworfen.

Die Entscheidung über den Standort des Hallenbads wurde Anfang April ausgesetzt. Das bedeutet: Es ist weiter offen, ob das jetzige Hallenbad (Murgana) im Bestand saniert wird, oder ob es einen Neubau an anderer Stelle geben wird. Frühestens im Spätjahr soll mit der Entscheidungsfindung begonnen werden, sagte OB Florus gestern im Gemeinderat.

www.badisches-tagblatt.de

 

 fb link   tw link   yt link

nb ja

fkw27012017 

Urlaub im Schwarzwald

itmNP Nswwfahrtziel-natur